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Nicht Freitag der 13te

Es ist nicht Freitag, der 13te, sondern Donnerstag, der 13te Januar 2011 – also kein Anlass für ernsthafte Befürchtungen. Aber dennoch ragt dieser Tag aus all den anderen vorübergehenden heraus.

Es war etwa 15 Uhr an diesem Tag, als das frische Brot in der Küche seinen Duft verbreitete und ansonsten schweigsam auffordernd herumlag. Es war immer noch viel Zeit bis zum Volleyball-Training am gleichen Tag um 16:30 Uhr. Also: Frisch ans Werk!

Wenn ich geahnt hätte, was auf mich zukommt, hätte ich den Plan sicher nicht ausgeführt. Aber da war keine Vorahnung, keine Warnung am Firmament, kein komisches Gefühl in der Magengrube – und das Horoskop hatte ich auch nicht gelesen. Das mache ich überhaupt nur ganz selten. Und es gab auch keinen Anlass dazu.

Das „Werk“ nahm also seinen Lauf. Das Brot wartete darauf geschnitten zu werden – und nur wenn ich drei Tage warten würde, dann käme vielleicht jemand anderes auf die Idee, nicht mehr zu warten und es selbst zu erledigen. Für das Werk war die Brotschneidemaschine zu verwenden. Sie war im Schrank untergebracht. Ich holte die Maschine allein aus dem Schrank und ließ die zugehörigen Plastikteile für den sicheren Brottransport liegen.

Das Brot war frisch und auch weich. Ja, eigentlich so weich, dass der seitliche Druck beim Schneiden den inneren Zusammenhalt im Brot gefährdete. Ganz automatisch fasste meine Hand um den möglichst größten Teil des Brotes, um den Schiebedruck weit zu verteilen und das Auseinanderbrechen des Brotlaibs zu verhindern. Das ist erfahrene Technik und wurde von mir nicht zum ersten Mal angewendet. Und sie funktionierte problemlos, solange die kleinere Hälfte des Brots in Scheiben geschnitten war. Erst als sich das rotierende Messer im letzten Viertel des weichen Brotlaibs kreisend bewegte, wurde für die aufliegende Hand der Zugriffsraum kleiner und kleiner.

Weiterhin ganz konzentriert auf das Umfassen des restlichen Brotlaibs näherte sich der längste Finger der rechten Hand – das ist naturgemäß der Mittelfinger – unbemerkt der kreisenden Schneide-Scheibe. Und plötzlich fuhr diese Metallscheibe mit dem scharfen Wellenschliff nicht nur in das weiche Brot, sondern zuerst vom Fingernagel her in die Fingerkuppe.

Der scharfe trennende Schmerz ließ die betroffene Hand zurückzucken und unwillkürlich führte ich diese sogleich Richtung Mund. Die linke Hand stoppte intuitiv die Schaltvorrichtung. Der erste Blick auf die angeschnittene Fingerkuppe war beeinträchtigt vom quellenden Blut, das am Finger herab über die Hand- und Handrückenfläche lief. Es begann schon zu Boden zu tropfen.

Auf dem Weg zum Bad und zur Pflaster-Schublade landete der Finger wieder vorübergehend im Mund. Und erst nachdem das Pflaster mit Hilfe meiner Frau aus der Verpackung geschält war und die Fingerkuppe überdeckte, stellten sich zunehmend Wund-Schmerzen ein, die das Bedürfnis wachsen ließen, sich flach hinzulegen und die Beine in erhöhte Position zu bringen.

Eine ganze Weile lag ich so im Wohnzimmer auf dem Sofa. Der Blutfluss hatte gestoppt. Die Blässe um die Nase verlor sich allmählich und die einsetzenden Gedanken ließen es angeraten erscheinen, die zur Hälfte abgetrennte Fingerkuppe fachmännisch wieder mit dem Finger verbinden zu lassen, was – nach einem Fußweg von 20 Minuten – in der Praxis des Hausarztes mit Nadel und Faden bei lokaler Betäubung erledigt wurde. Die Einschnitt-Stelle war so ungünstig gelegen, dass mehrere Fäden durch den Fingernagel geführt werden mussten.

An Volleyball-Training war an diesem Tag nicht mehr zu denken – es würde sogar zehn Tage dauern, bis die Heilung soweit fortgeschritten sein würde, dass die Fäden gezogen werden könnten. An den Gedanken „Sportverzicht“ musste ich mich erst noch gewöhnen.

Ich nahm mir aber vor, in die Bäckerei zu gehen, wo ich das weiche Delikatessbrot gekauft hatte, und mich über das Brot zu beschweren und Schmerzensgeld zu verlangen. Denn es war doch wohl das Brot, das mir diesen Unfall eingebrockt hatte! Das sehe ich so doch richtig?! Das ist doch mein gutes Recht?!



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